Rezeptfreier Synapsentango
Juni 2009 | Meinung von Claudia Morgenstern | Neue Artikel per Mail erhaltenIrgendwie lässt es einen ja schmunzeln und im ersten Moment denken „WTF, ist das echt?“ Der Webauftritt der Marke „Kranke Kasse“ macht auf stylish bunt und spricht ganz klar eine junge Zielgruppe an. Als Teil der Krankenkasse City BKK schlägt sie dabei gestalterisch völlig aus der seriösen Versicherungsspur. Die Collagengrafiken à la MTV bilden zusammen mit witzig-sinnlosen Gimmicks wie dem „Mitleids-Tool“ ein trashiges Gesamtbild, das in der Versicherungsbranche seinesgleichen sucht. Mitleid auf Bestellung in Form von sarkastisch angemachten Aaahh’s und Oooh’s ist mal was neues.
Der Verjüngungszwang scheint nun also auch diese etwas altbackene Branche erreicht zu haben. Fragwürdig bleibt, ob der Trend notwendig und ausbauwürdig ist. Ernsthaftigkeit ist bei manchen Dingen ja auch wünschenswert.

Setzt sich diese Tendenz jedoch fort, gibt es bald nicht nur schnödes Sport-Sponsoring, sondern vielleicht auch hippe Indie- oder Pop-Bands, die den Schulterschluss zwischen Marketing und Zielgruppe üben. Oder eigene Fashionlinien. Den Anfang in diese Richtung macht die Kranke Kasse ja bereits mit geplanten Motiv-T-Shirts. Da wird das schräge Webdesign für den persönlichen Stil auf Textil tragbar gemacht. Schick, schick.
Ein innovatives Äußeres impliziert allerdings nicht auch neuartige Leistungen: Hinter der schrillen Fassade verbergen sich dann doch nur ganz traditionelle Angebote wie bei anderen Krankenkassen auch. Und da findet man auch wieder den Ernst des Lebens. Das Konzept mag ungewohnt sein und erste Skepsis hervorrufen, zeigt aber, dass das Thema Krankenversicherung nicht zwingend trocken und öde sein muss. Das Vermitteln seriöser Botschaften funktioniert auch mit einer farblich schrillen Kampagne. Klingt seltsam, ist aber so - wie die Kranke Kasse beweist. Alles in allem schön, weil anders. Und ein bisschen mutig.
Ähnliche Artikel (tag-basiert):
- None


Web Lounge


