Obama fährt U-Bahn
April 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenDie L-Train in New York ist irgendwie Kult. Dabei verbindet die U-Bahn auch nur zwei Stadtteile miteinander - ja gut Brooklyn und Manhatten, aber was ist daran eigentlich so aufregend? Auch dem markanten - aber mal ehrlich, doch eher nervenden - “Mind the Gap” vor jedem Türschließvorgang der Londoner Tube wird mancherorts Kultstatus zugeschrieben. Dabei ist bei klarem Verstand eigentlich nur die Tokioer Untergrundbahn im Hip-sein-Kontext erwähnenswert. Denn: Sie hat sie alle an Bord, zur gleichen Zeit Barack Obama und Steve Jobs, Microsoft und Google, Amazon und Facebook - sowie alle anderen Personen, Unternehmen, Imperien des Internetzeitalters. Gut, eine kleine Einschränkung gibt´s: Das beteiligte Who is who der weltweiten Webwelt ist gesammelt, schriftlich und grafisch auf dem Tokioer U-Bahn-Liniennetz zusammengepresst - aber in derart genialer Weise, das kein Metroplan noch so kultiger Realbahnen mithalten könnte.
In mittlerweile vierter Folge präsentiert die in Tokio und Zürich ansässige Firma Information Architects die neuaufgelegte, alle seine Vorgänger übertreffende Web Trend Map. Alles, was in punkto Internet Rang und Namen hat, wurde in augenscheinlich mühe- und liebevoller Kleinarbeit hinsichtlich Traffic, Alter und Umsatz analysiert und dem Erfolg entsprechend auf das Liniennetz verteilt. So finden sich auf dem grafisch hervorragend umgesetzten Plan nicht nur die 333 einflussreichsten Domains, sondern ebenso 111 Persönlichkeiten, die quasi als Web-Agitatoren die Netzwelt prägen, steuern und immer wieder innovativ ins Morgen führen.
Die Hauptknotenpunkte, wie soll es auch anders sein, werden natürlich von bereits erwähnten Glanz-und-Gloria-Firmen besetzt. So liegt Apple zugleich an der Application, Entertainment, Publishing und Creative Line, während an Amazon auch die Money und Opinion Line vorbeirauscht. Allein die so farblich voneinander abgegrenzten, plausibel und prägnant bezeichneten Bahnlinien überzeugen. Ebenfalls im Metroplan platziert sind nun die Internetgurus. Wer sich tatsächlich fragt, was Obama zwischen Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und Twitter-Mitentwickler Evan Williams verloren hat, der sollte sich mal des Präsidenten Online-Gebaren besinnen. Der Mann kann Millionen Network-Fans sein eigen nennen, betrieb etwas, was der lapidaren Bezeichnung Web 2.0-Wahlkampf beileibe nicht mehr gerecht wird, bloggt, zwitschert und ist überhaupt der Nabel der Netzwelt (Beweis: hier). Er hats drauf, die Sache mit dem Internet. Deswegen steht er Seit an Seit mit Steve Jobs und Rupert Murdoch. Auf dem Tokioer Metroplan. Großartige Sache - die tunlichst ausgedruckt und in überdimensionaler Größe an die Bürowand gepinnt gehört.
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Sieht nach einem Haufen Arbeit aus… Nimmt auch echt Zeit in Anspruch, sich das anzusehen und überhaupt zu kapieren. Aber eine schicke Sache, die ihr da entdeckt habt.
Ja, das ist es wahrscheinlich wirklich. Ich glaube, man kann die Map mittlerweile auch in einer wandfähigen Printversion bestellen. Jetzt muss das Ding nur noch von selbst leuchten können.