Mozart erleben als Couch-Potatoe
September 2010 | Meinung von Tina Ebermann | Neue Artikel per Mail erhaltenBesonders jetzt, wenn es draußen ungemütlicher wird und der Regenschirm im Wind die Biege macht, wird der eigentlich geplante Kulturabend gern mal gegen ein lauschiges Plätzchen daheim eingetauscht. Wie wäre es da, wenn man es sich in den viel zu großen Tigerpantoffeln und dem bequemen Flanellsuite in den eigenen vier Wänden bequem machen und von Violine, Bratsche und Co. berieseln lassen könnte? Wenn jetzt ein überzeugtes „Jaaaa!!“ als Reaktion folgt oder zumindest ein kurzes Nicken, kann das, was ich jetzt sage, vielleicht noch etwas mehr Wohlklang erzeugen: Die Berliner Philharmoniker haben sich da mal was einfallen lassen, um auch im Couchpotatoe-Outfit nicht auf Bach, Beethoven und Schubert verzichten zu müssen. Und da sage noch einer, die Fliegenträger mit dem angespannten Gesichtsausdruck hätten nur Interesse an Tönen und Klängen. Nein, diese Künstler setzen zudem auf HD und Flash in Form der Digital Concert Hall. Und das Ganze lockt Klassikfreunde und Philharmonie-Begeisterte an wie der Honig die Biene, wie der Käse die Maus und die Musik eben das Ohr.
Aber bevor ich hier weiter ins Schwärmen gerate, worum geht es überhaupt: die Digital Concert Hall. Sie ist, ihrem Namen nach nicht zu viel versprechend, eine Plattform der Berliner Philharmoniker auf der unter anderem Live-Konzerte und Archiv-Videos im Internet von der Couch, dem Arbeitssessel oder während des Lümmelns vor dem Kamin mitverfolgt werden können. Die Website der digitalen Konzerthalle der Berliner Philharmoniker ist schlicht in schwarz und gold als Silhoutte der Berliner Philharmonie gehalten, die sich beim ersten Klick auf die Seite via Flash-Animation zu dieser formt. Übersichtlich angeordnet, geben der Text und die visuellen und auditiven Eindrücke ein gelungenes Gesamtstück zum Besten. Außerdem werden auch die englischsprachigen Philharmoniefans nicht sang- und klanglos an der Verständnishürde scheitern, dank der Sprachauswahl auf der Seite. Alle News, Hintergrundwissen und Interviews zur Berliner Philharmonie und zum Webauftritt werden kostenlos angeboten, während für Live- und Archivkonzerte die Kreditkarte gezückt werden muss. Dass nimmt meinem Schwarm zwar etwas den Wind aus den Segeln, dennoch lohnt sich aber der Blick auf die Digital Concert Hall.
[Bildquelle: Screenshot Website Digital Hall]
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