Digitale Zettelwirtschaft
April 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten“Kekse, Wiski, Bir, Tost, Nuteller” - was man nicht im Kopf hat, steht Gott sei dank auf dem Einkaufszettel. Ein Hoch auf die kleinen Papierfetzen, die auch in der digitalsten aller Welten, nämlich in unserer, niemals obsolet sein werden. Man kann mit einem einfachen Hilfsmittel, einem stiftartigen Etwas, wunderbare Dinge tun: Schmieren, Schimpfen, Liebe schwören. Oder Schilder wie “Defekt! Für Idioten: kaputt” fabrizieren. Tolle Sache - die seit geraumer Zeit akribisch verfolgt, gehortet und präsentiert wird. Und das Ganze auf einer Online-Plattform, damit die Offline-Fabrikate auch in einer Millionen Jahre noch einsehbar sind.

Worum es geht? Um Absender unbekannt - einem Projekt des Verlages Kein&Aber aus Zürich. Nach amerikanischem Vorbild werden seit geraumer Zeit Funde in deutschsprachiger Zettelform gesammelt und der Weltöffentlichkeit offenbart. Und diese Funde halten von Kühlschranktürnotizen über Schwarze-Brett-Aushänge bis Merkzettel jeglicher Art so einiges bereit. Das besondere, neben der Idee, ist die wundervolle grafische Umsetzung auf dem Online-Portal. Die wild verstreuten Notizzettel lassen sich einzeln anklicken, ranzoomen, drehen - einmal angefangen, fällt es schwer, die begonnene Schmökerei zu beenden. Denn diese lohnt sich durchaus.
Unsere Favoriten?

Wer das eine oder andere Zettel-Kleinod im Nachttisch versteckt hält, in seiner Jackentasche einen zu Papier gebrachten orthografischen Fehlschlag aus vergangenen Tagen findet oder unter der Parkbank einer Niederschrift menschlich-sentimentaler Gefühlsduselei - also einem verlorenen Liebesbrief - begegnet, sollte diese Dokumente unbedingt unseren Schweizer Nachbarn schicken. Auf dass sie der ganzen Welt zugänglich gemacht werden!
Unsere Empfehlung? Ganz klar: Voyeure dieser Welt - schaut auf diese Website!
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